Heute vor 100 Jahren starb Gustav Mahler.
Kurz davor hatte er noch Sigmund Freud konsultiert.
Wegen ehelicher Probleme.
Kurz davor hatte er noch Sigmund Freud konsultiert.
Wegen ehelicher Probleme.
Das Ehepaar Gustav und Alma Mahler verbrachte den Sommer 1910 am Attersee.
Während des Urlaubs nahm Alma ihre stürmische Liebesbeziehung mit dem Architekten Walter Gropius auf.
Als Mahler davon erfuhr, wandte er sich in seiner Verzweiflung an Professor Sigmund Freud.
Freud war gerade auf Bildungsreise in Holland, wo ihn ein Telegramm Mahlers erreichte.
Es wurde ein Termin für Ende August vereinbart, Treffpunkt war die holländische Stadt Leiden.
Askese
Man hatte Mahler schon vor seiner Heirat vor der lebens- und liebeshungrigen Alma gewarnt.
Nun schien die Unmöglichkeit dieser Ehe erwiesen.
Die von der Männerwelt heftig umworbene Dreißigjährige fühlte sich, wie sie einmal sagte, bei ihrem fast 20 Jahre älteren Mann in „erzwungener Askese“.
Laut Freud hatte Mahler seine „Libido von Alma abgewendet“, obwohl er sie sehr liebte.
Tatsächlich setzte der Komponist und langjährige Wiener Operndirektor seine ganze Kraft für sein künstlerisches Schaffen ein und fühlte sich mit Alma nur noch seelisch verbunden.
Der Kontakt zwischen Mahler und Freud war auf nur einen Tag beschränkt.
Zwei der bedeutendsten Männer ihrer Zeit trafen einander in Freuds Hotel und unternahmen einen mehrstündigen Spaziergang.
Später erwähnt Freud die Begegnung mit den Worten, er hätte Mahler „einen Nachmittag lang in Leiden analysiert und, wenn ich den Berichten glauben darf, viel bei ihm ausgerichtet.
Wir haben in interessanten Streifzügen durch sein Leben seine Liebesbedingungen, insbesondere seinen Marienkomplex (Mutterbindung) aufgedeckt.
Auf die symptomatische Fassade seiner Zwangsneurose fiel kein Licht.
Es war, wie wenn man einen tiefen Schacht durch ein rätselhaftes Bauwerk graben würde.“
Freud hilft
Alma Mahler ergänzt diese Aussage in ihren Erinnerungen:
Freud hätte ihrem kränkelnden Mann Vorwürfe gemacht:
„Wie kann man in einem solchen Zustand ein so junges Weib an sich ketten?“
Doch dann hätte er seinen Patienten zu beruhigen versucht:
„Ich kenne Ihre Frau, sie liebte ihren Vater und kann nur diesen Typus suchen und lieben.
Ihr Alter, das Sie so fürchten, ist gerade das, was Sie Ihrer Frau so anziehend macht.
Seien Sie ohne Sorge.“
Angeblich hätte Mahler nach dem Treffen mit Freud seine verloren geglaubte Potenz wiedergewonnen.
Doch der Musiker starb wenige Monate nach dieser Konsultation, am 18. Mai 1911, nur 50 Jahre alt, an einer Herzschwäche.
Vielleicht hat Freud ihm das Ende etwas erleichtert. Was den durchaus wohlhabenden Komponisten nicht daran hinderte, seinem Arzt das ihm zustehende Honorar schuldig zu bleiben.
Es wurde erst aus Gustav Mahlers Nachlass beglichen
Georg Markus
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